Kein Hausstand trotz finanzieller Beteiligung an den Haushaltskosten und daher kein Vorliegen einer doppelten Haushaltsführung

Die Frage, ob ein eigener Hausstand im elterlichen Wohnsitz vorliegt, ist besonders für den Werbungskostenabzug im Rahmen der doppelten Haushaltsführung relevant. Gemäß § 9 Abs. 1 S. 3 Nr. 5 EstG können notwendige Mehraufwendungen im Rahmen einer beruflich veranlassten doppelten Haushaltsführung (Fahrtkosten, Übernachtungskosten und drgl.) steuerlich abgezogen werden, sofern der Arbeitnehmer am Ort der ersten Tätigkeitsstätte wohnt und auch außerhalb der ersten Tätigkeitsstätte einen eigenen Hausstand unterhält.

Kritisch ist die Beurteilung, ob ein Zimmer eines Nachkommen im elterlichen Haushalt als eigener Hausstand qualifiziert und somit am Ort der Tätigkeitsstätte eine doppelte Haushaltsführung vorliegt, welche zum Werbungskostenabzug berechtigt.

Mit Urteil 13 K 1756/18E vom 07.10.2020 hat das Finanzgericht Münster entschieden, dass selbst bei finanzieller Beteiligung eines Kindes an den Kosten der elterlichen Haushaltsführung nicht zwingend ein eigener Hausstand vorliegt.

Ein Hausstand muss Lebensmittelpunkt des Arbeitnehmers sein. Dies erfordert eine regelmäßige Anwesenheit, welche nur durch die Arbeit oder Urlaub unterbrochen werden darf.

Weiterhin hält das Finanzgericht fest:

„Ebenfalls wird ein eigener Hausstand nicht unterhalten, wenn der nicht verheiratete Arbeitnehmer als nicht die Haushaltsführung wesentlich bestimmender bzw. mitbestimmender Teil in einen Hausstand eingegliedert ist, wie es regelmäßig bei jungen Arbeitnehmern der Fall ist, die nach Beendigung der Ausbildung weiterhin – wenn auch gegen Kostenbeteiligung – im elterlichen Haushalt ihr Zimmer bewohnen.“

Selbst bei Vorliegen des Lebensmittelpunkts am elterlichen Wohnsitz liegt nicht zwingend ein eigener Hausstand vor.

Weniger restriktiv sieht das Finanzgericht die Voraussetzungen an das Vorliegen eines eigenen Hausstands bei älteren, wirtschaftlich selbständigen, berufstätigen Kindern. In diesem Fall ist zu vermuten, dass eine wesentliche Mitbestimmung der Haushaltsführung vorliegt.